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12. Mai 2010 Der SBV und der VPV trafen sich zu einer ersten gemeinsamen Sitzung – es könnte mehr daraus werden

Die zwei Büro-Unterverbände des SEV vor einer möglichen Heirat

Der SBV und der VPV haben viele Gemeinsamkeiten – unter anderem arbeiten die meisten ihrer Mitglieder im Büro. Wäre eine Fusion sinnvoll?

Delegiertenversammlung SBV

Delegiertenversammlung SBV

Vor einem Jahr, am 18. Mai 2009, diskutierten die Delegierten der beiden SEV-Unterverbände SBV und VPV erstmals über ein engeres Zusammengehen ihrer beiden Organisationen – wie diese Kooperation aussehen soll, ist dabei vorläufig noch nicht bestimmt. Möglich ist ein regelmässiger Gedankenaustausch, das gemeinsame Erarbeiten und Vertreten von GAV-Forderungen, gemeinsame Projekte. Am Schluss wird die Frage stehen, ob die beiden Unterverbände fusionieren sollen. Doch bis es so weit ist, wird es noch einige Zeit gehen: Zuerst muss man sich besser kennenlernen.

Die Unterschiede

Obwohl der SBV und der VPV viele Gemeinsamkeiten haben, bestehen doch aus historischen Gründen auch viele Unterschiede. Das beginnt bereits bei den Strukturen: Was beim SBV die «Delegiertenkonferenz», ist beim VPV die «Delegiertenversammlung». Der SBV hat ein Büro Leitungskonferenz und eine Leitungskonferenz, in der die 12 Regionen vertreten sind, denen die Mitglieder gemäss ihrem Wohnort zugeordnet werden. Der VPV wird vom Zentralvorstand geleitet, der Verband hat 6 Sektionen, denen die Mitglieder nach Arbeitsort zugeteilt werden.

Das Dafür und das Dawider

Für ein Zusammengehen «bis zu einer möglichen Heirat», wie VPV-Präsident Roland Schwager die Fusion nannte, gibt es viele Gründe: Es entstünde der grösste Unterverband der aktiven SBB-Beschäftigten (grösser wären nur noch der VPT und der PV), dem rund 6000 Mitglieder angehören würden und der auch ein entsprechendes Gewicht bei Verhandlungen hätte. Erwartet wird eine Senkung der Kosten durch eine Verringerung der Spesen und eine Professionalisierung der Führung des Unterverbandes. Die Mitglieder – um sie geht es schliesslich – hätten einen einheitlichen Ansprechpartner und man könnte ihnen mehr bieten. Die heute zuweilen etwas schwierige Zuteilung der Beschäftigten zu einem der beiden Verbände würde einfacher. Viele Verwaltungsleute haben ihre Wurzeln im Betrieb.

Am Vormittag widmeten sich die Delegierten des Unterverbandes des Betriebs- und Verkaufspersonals SBV den UV-internen Geschäften. Alex Bringolf, Präsident der Delegiertenkonferenz, wies darauf hin, dass das Verkaufs- und Betriebspersonal «keine sorgenfreie Zeit» durchlebe: «Verschiedene Projekte der SBB machen Sorgen.» Unterverbandspräsidentin Elisabeth Jacchini hieb in die gleiche Kerbe: «Aktuell haben wir nicht viel Grund zu lachen.» Änderungen und Reorganisationen führen zu Verunsicherung, das Verkaufspersonal steht unter Druck. Dies ist auch das Resultat der Umfrage, die einen erfreulich grossen Rücklauf hatte. Viele sehen im Bereich Verkauf keine Perspektive, die Zufriedenheit ist gesunken. Positiv ist, dass die meisten Mitarbeitenden einen guten Draht zu ihren Vorgesetzten haben und sich in den Teams wohlfühlen.

4000 Mitglieder angestrebt

Bei den Betriebszentralen geht die Zentralisierung weiter, was für viele neue Arbeitsorte und weite Arbeitswegen bedeutet. Die entstehende SBB Cargo International hat die schlechte Idee, ohne GAV auskommen zu wollen. Dies passt zum «neuen Wind» bei der SBB: Die Sozialpartnerschaft hat gelitten. Auch die Höhe der Löhne, vor allem der sogenannten «blue collars» (der Angestellten im «Übergwändli»), aber auch des Verkaufs, wird ein dornenvolles Thema. Dies wäre ein Argument für den Eintritt in die Gewerkschaft sein, die SBV-Präsidentin hofft denn auch, bis Ende Jahr die Marke von 4000 Unterverbandsmitgliedern zu knacken. Die neue Sektion der Bahnpolizei und die wiederbelebte der Securitrans könnten allenfalls dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

Wahlen und Ausblick

Mathias Schmid wurde als GPK-Ersatzmitglied gewählt,

Pierre Delalay als GAV-Ersatzmitglied Wallis, René Dürig als GAV-Delegierter Region Zürich und Sylvie Niklaus als GAV-Ersatzdelegierte Region Zürich. Elisabeth Jacchini warf einen kurzen Blick in die Zukunft und machte die Delegierten «gluschtig» auf die Herbstkonferenz in Ovronnaz, an der ein ganzer Tag dem Thema «work-life-balance» gewidmet sein wird.

pan.

Diesen Pluspunkten stehen einige negative Folgen einer Fusion gegenüber: Der SEV-Vorstand würde verkleinert, das «Heimatgefühl» in der Sektion ginge eventuell verloren, es könnte sogar einen Mitgliederschwund bedeuten. In der Diskussion zeigte sich allerdings, dass viele Mitglieder mehr Chancen als Wagnisse sehen. Zwar sind viele Fragen noch offen, doch im kommenden Prozess sollten diese beantwortet werden können. Es war deshalb folgerichtig, dass sich die versammelten Mitglieder der beiden Unterverbände in der Abstimmung einstimmig (bei einigen Enthaltungen) dafür aussprachen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und die Grundlagen zu vervollständigen. Eine Fusion kommt nicht von heute auf morgen, als erstes mögliches Datum des Zusammenschlusses – das allerdings noch nicht in Stein gemeisselt ist – wurde der 1. Januar 2012 anvisiert. In der Zwischenzeit soll die Annäherung behutsam und beharrlich zugleich gestärkt werden. So soll auf der Ebene der Verbandsführung zweimal jährlich ein Treffen stattfinden, das der Pflege der

Zusammenarbeit dient. Mögliche künftige Organisationsmodelle werden entwickelt. Zu gewerkschaftlichen Fragen können schon in nächster Zeit gemeinsame Anlässe durchgeführt und gemeinsame Stellungnahmen verfasst werden. Auch die zukünftigen Delegiertenversammlungen sollen zumindest teilweise gemeinsam durchgeführt werden.

Auch auf Sektionsebene soll eine sinnvolle Zusammenarbeit eingeführt werden. Denkbar sind gemeinsame Veranstaltungen zu gewerkschaftlichen Fragen wie etwa GAV oder Toco, aber auch gemeinsame Sektionsversammlungen oder auch gemeinsame Anlässe, die dem besseren Kennenlernen dienen.

Heute schon Kontakte

Heute schon unterhalten der Präsident des VPV und die Präsidentin des SBV gute und regelmässige Kontakte miteinander. In Basel wurde erfolgreich eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die die Betreuung der Mitglieder im Cargo-Sitz Elsässertor sicherstellt.

Das Potenzial

Der SBV und der VPV sind zwar grosse Unterverbände des SEV, es sind aber gleichzeitig auch Bereiche, in denen es noch ein Organisationspotenzial gibt, das ausgeschöpft werden könnte. Weil in der Verwaltung (zunehmend) Leute arbeiten, die ihre Ausbildung ausserhalb des Bahnbereichs machen, ist es schwieriger, sie in die Gewerkschaft zu bringen. Ob ein fusionierter Unterverband für die Organisationsbemühungen eher nützlich ist oder nicht, wird sich noch erweisen müssen.

pan.

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